Mobiles Internet via Radio- und Fernsehfunk-Netze

Radio- und Fernsehfunk-Netze könnten künftig die Mobilfunknetze entlasten. Die Technische Universität Braunschweig arbeitet gerade an einer Technik – genannt TOoL+ – die das ermöglichen soll.

TOoL+ soll für Entlastung sorgen

Die mobilen Datennetze werden immer voller. Da braucht es schnell Entlastung. Abhilfe könnte TOoL+ schaffen. Die von der TU Braunschweig entwickelte Technik will mobile Daten effizient über Radio- und Fernsehfunk-Netze verbreiten. Das Projekt der TU Braunschweig wird am 27. Juni beim Wettbewerb "Aus­gezeichnete Orte im Land der Ideen" mit einem Preis in der Kategorie Wissen­schaft ausgezeichnet.

TOoL+ könnte für Einsparungen sorgen, wenn beispielweise über das Smartphone Internet-Live-TV genutzt wird. Dies gilt vor allem bei großen Events wie Weltmeisterschaften, wo mehrere tausend Nutzer gleichzeitig auf die mobilen Datennetze zurückgreifen.

 

Punkt-zu-Multipunkt-Übertragung wäre möglich

Um teils identische Inhalte an Nutzer auszuliefern, wurde bisher auf die Punkt-zu-Punkt-Übertragung gesetzt. Bezieht man die Rundfunknetze mit ein, wäre auch die sogenannte Punkt-zu-Multipunkt-Übertragung möglich. "Dabei werden mit Hilfe eines einzelnen Datenstromes mehrere Nutzer innerhalb eines Versorgungsgebiets mit den angeforderten Daten versorgt", heißt es auf teltarif.de.

Diese Technik ist unabhängig vom Nutzeraufkommen, während bei der herkömmlichen Point-to-Point-Übertragung das Mobilfunknetz mit jedem weiteren Streaming-Teilnehmer stärker belastet wird.

 

Tower Overlay auch für Mobilfunker attraktiv

Um das Projekt um die Braunschweiger Wissenschaftler zu realisieren, könnte unter anderem DVB-T2 zum Einsatz kommen. So sollen mit dem digitalen Rundfunkstandard LTE-Advanced-Geräte ohne zusätzliche Erweiterungen funktionieren und könnten gleichzeitig auch P2MP-Inhalte (Point to MultiPoint) empfangen.

Eine Herausforderung ist es hingegen, die herkömmlichen P2P- und P2MP-Daten gleichzeitig zu empfangen. Dafür nutzen die Forscher die Carrier Aggregation. Dabei werden bis zu fünf LTE-Träger zu einem Gesamtträger gebündelt. Auch Träger mit unter­schiedlichen Frequenzbereichen können aneinander gekoppelt werden. Somit ist die gleichzeitige Verfügbarkeit von P2P- und P2MP-Diensten gewährleistet. Das Prinzip heißt Tower Overlay. Dabei werden die Live-Videostreams mit Hilfe von leistungsstarken Sendern, wie sie bisher für die terrestrische TV-Übertragung genutzt werden, ausgestrahlt.

Um das Konzept umzusetzen, ist eine enge Zusammenarbeit der Netzbetreiber vonnöten. Nur dann ist die effiziente Nutzung von P2MP gewährleistet. Ein Anreiz für die Mobilfunkbranche könnte laut Forscher die optimierte Bereitstellung von Medieninhalten sein, die mit Hilfe einer Tower-Infrastruktur deutlich günstiger realisiert werden kann.

 

Autor: ES

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