Deutschland ist LTE-Vorzeigeland

Deutschland gilt als Pionier, was den schnellen Funkstandard LTE (Long Term Evolution) betrifft. Nirgendwo in Europa stehen der Bevölkerung so hohe Geschwindigkeiten zur Verfügung wie in der Bundesrepublik. 

Frühe Frequenzversteigerung, schneller Netzausbau

Allein der Begriff LTE scheint bei den deutschen Netzbetreibern Glücksgefühle hervorzurufen. "Ich sehe LTE als den Anfang einer neuen Wachstumskurve für unsere Industrie", sagt Fritz Joussen, Deutschland-Chef bei Vodafone. Auch Bruno Jacobfeuerborn, Technikchef der Telekom Deutschland ist voller Euphorie: "2012 wird das LTE-Jahr.“ Und der scheidende Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, spricht das aus, was für die deutsche Mobilfunk-Branche wie Musik in den Ohren klingen dürfte: "Wir sind in Europa ganz vorne mit dabei."

 

Und tatsächlich ist man in Deutschland mit dem LTE-Ausbau schon weiter als so manch ein Nachbar. Der Grund dafür: Hierzulande wurden bereits im Frühjahr 2010 Frequenzen für die neue Funktechnik versteigert. Darüber hinaus kommen die Netzbetreiber Telekom Deutschland, Vodafone und Telefónica Germany schneller mit dem LTE-Netzausbau voran, als angenommen.

 

LTE war zuerst Landfunk

Die Nutzung der LTE-Frequenzen ist an Auflagen seitens der Bundesnetzagentur gebunden. So wurden die Netzbetreiber angehalten, zuerst die sogenannten weißen Flecken – also Gegenden ohne Breitband-Internet – mit LTE zu versorgen. Erst wenn 90 Prozent der unterversorgten Gebiete an das LTE-Netz angeschlossen sind, darf der schnelle Funkstandard auch in den Städten Einzug halten.  

 

Die Netzbetreiber waren seither fleißig: "In bereits mehr als der Hälfte der insgesamt 13 mit Breitband unterversorgten Bundesländern sind die Versorgungsauflagen erfüllt." Das gilt für die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Saarland, Bremen, Berlin, Hamburg und Niedersachsen. Dort dürfen die Telekom, Vodafone und Telefónica Germany LTE nun auch in Städten anbieten.

 

Die ersten städtischen LTE-Netze sind in Betrieb

Mittlerweile (Alle Angaben Stand März 2012) betreibt die Telekom in Köln und Frankfurt am Main die ersten städtischen LTE-Netze. Noch in diesem Jahr sollen über 100 weitere deutsche Städte folgen.

 

Vodafone versorgt Düsseldorf und Berlin mit dem schnellen Funkstandard. Telefónica Germany hat angekündigt, am 2. Juli 2012 mit dem Ausbau eigener städtischer LTE-Netze zu beginnen. Bis Jahresende sollen 200 Städte und Gemeinden mit dem schnellen Funkstandrad versorgt werden. Den Schwerpunkt bilden vorerst die Städte Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Dresden, Hannover, Leipzig, Nürnberg sowie das Rhein-Ruhrgebiet.

 

"Wir gehen davon aus, dass heute schon 12 bis 15 Millionen Haushalte mit LTE erreicht werden können", sagt Bernhard Rohleder, Geschäftsführer beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom).

 

LTE ist effizienter als UMTS

Im Vergleich zur Vorgänger-Technik UMTS hat LTE einen entscheidenden Vorteil: Aufgrund der genutzten langwelligen Frequenzen sind weniger Funkmasten nötig. Dadurch wird der Netzausbau nicht nur beschleunigt, sondern auch günstiger.

 

"Bis 2015 wird unsere Branche 8 bis 10 Milliarden Euro in den LTE-Ausbau in Deutschland investieren", sagt Vodafone-Manager Joussen. Der Grund: "Der Datenverbrauch in den Netzen wächst dramatisch."

 

Allein 2011 stieg das Datenvolumen in den deutschen Mobilfunknetzen von 65 auf 108 Millionen Gigabyte an. Um dem wachsenden Daten standzuhalten, setzen die Mobilfunker auf LTE. Denn im Vergleich zu UMTS nutzt LTE das Funkspektrum effizienter.

 

Theoretische Surf-Geschwindigkeiten bis zu 100 Mbit/s

In deutschen Städten, die bereits mit LTE versorgt werden, sind bei der Telekom theoretisch bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich. Vodafone und Telefónica bieten maximal 50 Mbit/s an. Aber: Da sich mehrere Nutzer eine Mobilfunkzelle teilen, dürften diese Geschwindigkeits-Angaben wohl auch nur theoretischer Natur bleiben. 

 

In ländlichen Regionen sinken die Download-Geschwindigkeiten deutlich ab. Hier werden laut Angaben von Telefónica und der Telekom maximal 7,2 Mbit/s angeboten. Das entspricht UMTS-Datenraten. Bei Vodafone sind noch bis zu 21,6 Mbit/s möglich. Aber auch hier handelt es sich lediglich um theoretische Werte.

 

LTE wird mobil

Bisher konnte LTE in Deutschland ausschließlich mit einem Router oder Surfstick am PC oder Laptop genutzt werden. Seit kurzem sind die ersten LTE-Smartphone-Tarife erhältlich. Dafür müssen Kunden aber ordentlich zahlen. So erhebt Vodafone beispielsweise bei der Buchung eines Mobileinternet-Flat-Tarifes einen LTE-Aufschlag von 10 Euro im Monat. Somit würde der Tarif „Mobileinternet Flat 50,0“ anstatt der sowieso schon teuren 69,99 Euro stolze 79,99 Euro im Monat kosten. Auch der LTE-Tarif der Telekom „web´n´walk Connect XXL“ schlägt mit monatlich 74,95 Euro zu Buche. Das erste LTE-Handy wird es im März bei Vodafone geben. Das HTC Velocity 4G ist mit Googles Betriebssystem Android 2.3.7 ausgestattet und unterstützt Surf-Geschwindigkeiten bis zu 50 Mbit/s.

 

Das Problem: Das HTC Velocity 4G funktioniert zwar im LTE-Netz von Vodafone, nicht aber im den städtischen LTE-Netzen der Telekom. Der Grund: Vodafone nutzt sowohl in Städten als auch in ländlichen Regionen die Frequenzen im 800 Megahertz(MHz)-Bereich. Die Telekom greift bei seinen städtischen LTE-Netzen hingegen auf das 1800-MHz-Band zurück.

 

Aber: Weitere LTE-Smartphones dürften in diesem Jahr folgen, da auf dem Mobile World Congress in Barcelona zahlreiche Handy-Hersteller eine Vielzahl von LTE-Smartphones vorgestellt haben. Und darunter werden sicherlich auch Geräte sein, die auf mehreren Frequenzen funken.

 

Autor: ES

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